Zukunftsperspektiven mit Mitteln der Kunst

Ergebnisse aus dem zweiten Workshop

von Friedrich Hinterberger und Eva Wretschitsch

Am 25. September fand an der Universität für Angewandte Kunst der zweite Stakeholderworkshop im Projekt sdg.visionpath statt, bei dem in einem spekulativen Setting Ziele für eine wünschenswerte Zukunft formuliert wurden.

Aufbauend auf den Ergebnissen des ersten Workshops, bei dem die zentralen Themen das „reale BIP pro Kopf“, „Zufriedenheit am Arbeitsplatz“, die „Energiearmutsquote“ sowie die „Verbrennung fossiler Energieträger“ in einen makroökonomischen Wirkungszusammenhang gebracht wurden (siehe dazu das Papier zu SDG-übergreifenden Systembild, Synergien und Trade-Offs https://sdg.visionpath.at/wp-content/uploads/01_CLD_Gesamtbild.pdf) haben die Teilnehmer:innen in zwei fiktiven „Future panels“

1) Visionen und

2) Ziele

formuliert. Aus denen konnten wir entsprechende Indikatoren ableiten, mit deren Hilfe später die Frage beantwortet werden kann, ob sich die Gesellschaft dem Ziel tatsächlich annähert.

  1. Visionen

Die beiden Panels erstellten je eine „Zeitungs-Beilage“ im Sinne einer positiven Vision für die Zukunft. Die Zeitungsbeilagen standen unter den Überthemen „Verteilungsgerechtigkeit“ und „Wachstum“.

Darunter wurden folgende Themen angesprochen:

zu Verteilungsgerechtigkeit

  • Gemeinwohl,
  • Transparenz und
  • Bildung

Stichworte waren: absolute Chancengleichheit, ein Netz für alle Fälle, Gesundheit, Sicherheit, Zeit, Ernährung

zu Beyond Growth:

  • „Grenzen des Wachstums“ / „Degrowth“/ Lebensqualität jenseits des Wachstums, aber auch
  • Klima(neutralität), Kreislaufwirtschaft und Artenvielfalt.

Stichworte: ein gutes Leben, Gemeinwohl, Beyond GDP Indikatoren (Glück, Zufriedenheit, Gemeinwohl) zeigen Aufwärtstrend, bewusster Umgang mit Ressourcen

2. Ziele

Im zweiten Schritt wurden die Teilnehmer*innen gebeten, daraus Ziele zu konkretisieren, die ihnen den Weg in diese Vision weisen könnten.

In der ersten Gruppe (Thema: Verteilungsgerechtigkeit) wurden zum Unterthema Bildung das „Recht auf kostenfreien Zugang zu ganzheitlicher Grundbildung“ sowie „ausreichend Personal mit dem dazu notwendigen Know-How“ formuliert. Diskutiert wurde auch, welche Fertigkeiten und Fähigkeiten das Bildungssystem in Zukunft fördern wird. Konkret wurde argumentiert, dass „mündige/ kritische Bürger:innen“ ausgebildet werden sollen.

Zum Thema Transparenz einigten sich die Teilnehmer*innen auf „Soziale, ethische und Umweltwirkungen. Demokratieentwicklung (Redefreiheit, …), Einkommens- und Vermögenstransparenz, Politische Entscheidungsfindung“, und zum Thema „Gemeinwohl“ auf

  • Achtsamkeit und Nächstenliebe, Fairness und Gerechtigkeit, Work-Life-Balance
  • Abwesenheit von Leid und Elend, Ressourcen gerecht verteilt, Bedeutsame Beziehung, Teilhaben an der Gesellschaft (freiwillig vorhanden und zwanglos),
  • Aufwertung der Care-Arbeit, Intakte Umwelt, Persönliches Engagement und ein Menschliches Gesundheitssystem.

In der zweiten Gruppe ging es um die Einhaltung der planetaren Grenzen sowie deren operative Implementierung:

  • Das Monitoring zur Einhaltung der planetaren Grenzen ist auf globaler und nationaler Ebene institutionalisiert.
  • Die Lebensqualität von Gesellschaften wird über eine breite Auswahl von Indikatoren gemessen.
  • Politische und Nachhaltigkeitsbildung ist stark in allen (Fort-)Bildungsinstitutionen verankert.
  • Bürger:innenräte haben Entscheidungsmacht über richtungsweisende Maßnahmen.
  • Es gibt verstärktes Engagement in ehrenamtlichen gemeinschaftlichen Tätigkeiten.
  • Es gibt einen Rechnungshof für nachhaltige Entwicklungsziele.
  • Geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf Arbeitszeit, Care Arbeit, Lohn und Karenz, Führungspositionen sind nicht mehr signifikant.
  • Vorstellung von Grundbedürfnissen: Alle haben Zugang zu adäquatem Wohnraum, Raumklima, Bildung, gesunden Lebensmitteln, Partizipationsmöglichkeiten.

Obwohl die beiden Gruppen Zukunftsvisionen zu unterschiedlichen Themen (Ungleichheit, Wirtschaftswachstum) ausgearbeitet haben, konnten einige überstimmende Punkte gefunden werden. Beispielsweise wurde das Thema Bildung in beiden Gruppen als Voraussetzung und in der Hierarchie übergestelltes Thema gesehen einerseits für Transparenz und Gemeinwohl, andererseits für eine neue Form der Governance. Auch Transparenz war als Thema in beiden Gruppen präsent: Während in der Vision der ersten Gruppe Transparenz eine zentrale Rolle gespielt hat, wurde es von der zweiten Gruppe konkretisiert vor allem in Verbindung von einem institutionalisierten Monitoring der planetaren Grenzen sowie der Installierung eines Klimarechnungshofes diskutiert. In der Gruppe zu Ungleichheit wurde außerdem betont, dass eine Stärkung der Transparenz mit einer großen Hebelwirkung einhergeht. Zuletzt kam auch das Thema Gemeinschaft in beiden Gruppen zur Sprache im Sinne von ehrenamtlichen Tätigkeiten oder Care Arbeit.

Die im 3. Workshop erarbeiteten Ziele wurden dann im 3. Workshop dem gegenwärtigen System (aus dem im WS1 erarbeiteten Wirkungsdiagramm) gegenüber gestellt.


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